Fire and rice

Tuesday, October 31, 2006

Naechstes Highlight meines Daseins war der Besuch einer Delegation der Messe Muenchen, eine der groessten Messeveranstalter und -initiatoren der Welt. Mit von der Partie waren unter anderen der Vorsitzende der Geschaeftsfuehrung Herr Manfred Wuzlhofer sowie einige Aufsichtsratsmitglieder, darunter Herr Dr. Volker Jung, bis 2003 Mitglied des Zentralvorstands der Siemens AG.
Gemeinsam mit dieser doch recht hochkaraetigen Delegation besichtigten wir die Messe Chennai sowie das angeschlossene Convention Center. Der infrastrukturelle Zustand der Messe war nach Ansicht der Fachleute sehr zufriedenstellend, wenn auch die zwei Hallen im internationalen Vergleich sehr klein sind. Sehr angetan zeigten sich die Besucher von der Kongresshalle, die mit 1500 bis 2000 Sitzplaetzen gross genug und insgesamt sehr ansprechend war.

Dem folgte ein schoenes Mittagessen in einem der "5 Sterne"-Hotels. Dem schloss sich unmittelbar eine Stadtfuehrung an, von der auch ich profitiert habe. Madras/Chennai ist mit 6-8 Millionen Einwohnern nicht gerade klein. Da ich beruflich stark eingespannt bin (raeusper!) habe ich noch keine Gelegenheit gefunden, die Stadtteile zu besichtigen, die weit von Buero oder Appartment entfernt liegen. Wir schauten uns den Hafen Chennai an, die Kirche St. Thomas, den groessten hinduistischen Tempel der Stadt, ein Museum sowie einige alte Regierungs- und Universitaetsgebaeude. Leider waren wir ein bisschen unter Zeitdruck, sodass wir nur beim Museum (uralte Gottesstatuen, sehr beeindruckend) und beim Tempel ("") ausstiegen.
Leider haben wir uns St. Thomas nicht ansehen koennen. Das werde ich jedoch nachholen. Hier wirkte und bekehrte der heilige Thomas, einer der Juenger Jesu. Da er nicht dabei war, als Jesus nach seiner Auferstehung das erste Mal seinen Juengern erschien, und nicht ohne eigenen Augenschein glauben wollte, dass ER wiedergekommen war, erinnert man sich an ihn bis heute als den "unglaeubigen Thomas". Er ist im Jahre 72 (n.Chr. natuerlich) in Mylapore, heute Stadtteil von Madras, von den anderen Unglaeubigen umgebracht worden. Die hiessen aber nicht Thomas. Und fanden ihn wohl doof.

Aus touristischer Sicht voellig unverstaendlich haben die hiesigen Behoerden es zugelassen, dass seine Gebeine im 3. Jh. nach Edessa in die Tuerkei exportiert wurden.
Schade. Ich haette dem alten Knaben gerne meine Reverenz erwiesen.

Eine Weile fuhren wir am Marina Beach vorbei. Dabei handelt es sich um den zweitlaengsten Strand der Welt nach der Copacabana. An Stelle der Inder wuerde ich hurtigen Schenkels ein paar Lastschiffe mit Sand aus Afrika holen, hier abkippen und den Brasilianern mal zeigen, wo die Flunder strandet!!

Witzig ist (in einem makaberen Sinne), dass der Tsunami 2004 hier alle Stranddoerfer bzw. Slums weggespuelt hat (gut, bis jetzt ist das Ganze ueberhaupt nicht witzig). Im Rahmen der Aufbauhilfen und zum Zwecke der "Entslummung" hat die Regierung allen Fischern feste Haeuser am Strand und auch 10 km weiter gebaut. Mit dem Erfolg, dass nicht ein einziger Fischer dort eingezogen ist. Vielmehr haben die Fischer alle diese Wohnungen vermietet und wohnen jetzt als feiste Hausbesitzer in einem slum noch naeher am Strand. Tja, jeder muss schauen, wo er bleibt.
Die bleiben hier.

Nach der Stadtrundfahrt zogen sich die Besucher in Ihre Suiten zurueck. Der insoweit suitelose Huebi zog sich nach alter Vaeter Sitte (hallo Papa!) an die Bar zurueck, wo er sich erstmal ein leckeres Kingfischer in der ortsueblichen 0,65 l-Amphore genehmigte.

Bei einem sehr guten Dinner unterhielt ich mich gemeinsam mit der Aufsichts- und Muenchner Stadtraetin Frau Constanze Lindner-Schaedlich laengere Zeit mit einem indischen Geschaeftsmann aus Hyderabad. Dieser klaerte uns nicht nur eloquent und detailsicher ueber indische Marktentwicklungen auf, sondern schilderte auch die Einzelheiten seines besonderen Glaubens auf. Er ist ein Jain. Diese pflegen einen unerhoerten Respekt vor dem Leben, und bemuehen sich, moeglichst wenig davon kaputtzumachen. Nicht nur, dass ein strenglaubiger Jain keine Schuhe traegt, um moeglichst wenig Tierchen zu zertreten (er wuerde sich wohl auch die Fuesse ausziehen, wenn das nicht sein Leben beschaedigen wuerde). Auch spricht er wenig, und wenn er spricht, haelt er sich ein Tuch vor den Mund, um moeglichst wenig Mikroorganismen zu schaedigen. Dies sind aber Extrembeispiele. Nach wie vor aber isst ein Jain nichts, was hierzu aus dem Boden gezogen werden musste, da auch dabei Kleinstlebewesen getoetet werden (also keine Kartoffeln, Moehren, Erdnuesse, Maulwuerfe etc.) Im Prinzip auch nichts Gepfluecktes. Wenn er also etwas Frisches essen will, muss er mit dem Netzkescher neben der Palme stehen und warten, bis Newton sein Recht bekommt. Das ist natuerlich eine ernaehrungstechnische Herausforderung.

Fuer einen Jain ist der Magen eines Nichtvegetariers ein grosser Friedhof.
Aber keine Sorge: dieser sehr angenehme Gentleman sah wohlgenaehrt aus, irgendwie kriegen die das hin.

Wer es noch nicht wusste, Monsun ist, wenn man trotzdem lacht. Eine schoene Dachterasse verliert Ihren Zauber, wenn es z.T. laenger als 24 Stunden am Stueck regnet. Und mit Regen meine ich kein Nieseln, wie wir es kennen. Ein kraeftiger Monsunregen ist so intensiv wie der zweiminuetige Zenit eines harten Landregens in Europa, aber er dauert Stunden. Daher ist hier alles ueberschwemmt.
Ich habe noch Glueck: vor meinem Haus ist das Wasser nach dem Regen knoechelhoch und bald zeigt sich ein trockener Streifen in der Mitte. Auf dem Weg ins Buero fahre ich aber mit der Rikschah zum Teil durch 50 cm hohes Wasser.
In den aermeren Gebieten im Norden und Sueden des Landes steht das Wasser brusthoch.
Da die Bewohner schon letztes Jahr vieles verloren haben und die Regierung nichts getan hat, sind sie leicht verstimmt (*vergess sich vor Wut!*).

Leider bringt der Regen auch eine stark vergroesserte Moskitopopulation. Das ist nicht ganz so lustig. Das Denguefieber, auch Knochenbrecherfieber genannt, weil die Betroffenen sich vor Schmerzen so kruemmen, dass gelegentlich wohl Rippen brechen, hat dieses Jahr nur Delhi und Umgebung heimgesucht. Hier unten aber gibt es Chikungunya, ein aehnlich starkes Fieber, dass sich stark arthritisch auf die Gelenke auswirkt. Und natuerlich die gute alte Malaria, die hier im sonst ungefaehrdeten Bereich zu Monsunzeiten Gastspiele haelt.

Aba ick halt mir wacker!
So. Morgen kommt der Huber Erwin, seines Zeichens Wirtschaftsminister von Bayern. Mal sehen, was wir dem Gutes tun koennen. Ausserdem hole ich um Mitternacht meine neue Kollegin vom Flughafen ab. Um Mitternacht nicht der Dramatik wegen, sondern weil Ihr Flieger dann landet.
Auch dieser post wird demnaechst mit ein paar Bildern aufgewertet, ihr koennt also dann noch mal reinschauen. Viel Vergnuegen!

Friday, October 27, 2006

Zunaechst einmal: ich habe den Post anfangend mit der Party von Thomas aktualisiert und mit ein paar Fotos aufgepeppt. Es ist der, der mit "Um nochmals auf die Einladung blablabla..." anfängt. Ich schlage vor, Sie schau´n sich das mal an.
Ihr Götz Hübener

Die Geschehnisse der letzten Tage waren minder spektakulaer. Ich werde versuchen, sie moeglichst bald nachzutragen.

Ob die morgige Delegation der Stadt München auch genug Weizenbier und Würschtl mitgebracht hat, ob der bayerische Wirtschaftsminister am Mittwoch sein Thali mit den
Händen essen wird, ob in zwei Wochen die Delegation des Landes Baden-Würtemberg Englisch mit schwäbischen Untertiteln spricht und ob die darauffolgende Delegation aus Sachsen-Anhalt mich als legitimen Thronfolger anerkennt (schließlich hat mein Urgrossvater das Land gegruendet),

das erfahrt Ihr in der naechsten Folge, wenn es wieder heißt:

coconut and spices! The hottest blog around the clock!

Tuesday, October 24, 2006

Freitag war in Vorbereitung des Diwali-Festes (auch deevali, deepavali) frei. Der Tag wurde zu Erholungszwecken genutzt. Am Abend bekamen wir dann einen ersten Vorgeschmack auf das Feuerwerk: ein amuse oreille, wenn man so will.
Eine solche nicht konzertierte Ballerei habe ich noch nicht erlebt. Es faellt auch schwer zu beschreiben. Ich will es so sagen: das was bei uns ein siebzehnjaehriger Betrunkener beim Sylvesterfest der freiwilligen Feuerwehr verballert, das verbraucht hier ein Fuenfjaehriger!
Ich will gar nicht wissen, was indische betrunkene freiwillige Feuerwehrleute hierzulande tun, vermutlich zuenden sie Rohrbomben.
Die Raketen (groesstenteils mit Feuerwerksmoersern von privat abgeschossen) waren nicht besonders ausgefallen, aber die Gesamtmenge war enorm.
Am naechsten Tag lief tagsueber alles glatt. Man waehnte sich zwar im Beirut der 80er Jahre, aber ein Frontkaeffchen auf der Dachterasse half ueber vieles hinweg.

Am Abend kam dann die Volloffensive. Ich dachte, die Pakistani seien da. Indien feuerte aus allen Rohren. Auf der Terasse war ueber drei Stunden kein zusammenhaengendes Gespraech moeglich.
Interessante Parallele: wenn (im Prinzip lobenswert) deutsche Gutmenschen und Apfelbaeumchenpflanzer mit Eritrea-Miene "Brot statt Boeller" propagieren, dann sollen die mal dahin fahren, wo wir das Brot hinliefern sollen. Hier fliegt die Kuh naemlich ganz weit oben. Und auch der, dessen Tagesziel hier in Kalorien gemessen wird, schmeisst freudestrahlend im Kreise seiner Mitmenschen Sprengsaetze durch die Gegend.
Und denkt gar nicht an die Kollegen in Burkina Faso, ts..ts...ts! Wie kann man nur so mit seiner Umwelt umgehen?


Abends waren wir schon wieder im Bike&Barrel, der Bar im R. Towers. Leider ausschliesslich indische Musik. Die ist zwar eigentlich sehr schoen, aber man muss sich etwas dran gewoehnen. Leider auch viel zu laut (O GOTT! Das ich das jemals sagen wuerde!)!
Nette junge Leute (das hoert ja nicht mehr auf!) brachten mir bei, wie in Indien zu solcher Musik getanzt wird.
Bisschen auf den Turban gingen mir zwei fette chinesische Hu....tverkaeuferinnen, die mir auf die Pelle rueckten. Gott sei Dank folgten die zum Ende des Abends einem aelteren Iren aufs Zimmer. Einen Musterkoffer hatten sie nicht dabei. Soda und Gomorrhom!

Am Sonntag ruhte ich.
Leider waren Telefonkontakte in die Heimat seit einigen Tagen durch den Todesstern erschwert worden, der sich in meinem Handy eingenistet hatte. Aus unerfindlichen Quellen sammelte sich schwarze Fluessigkeit in der Mitte meines eigentlich Autokino-tauglichen Displays und bildete da eine kreisrunden Fleck, der immer groesser wurde und alles verschlang. Am Sonntag war es dann so weit, mein Handy gab sich entgueltig die Kugel.

Ein Nachfolgemodell war bereits ausgeguckt, nur musste ich noch durch ca 10-15 Laeden laufen, und ueberall feilschen. Mit den entsprechenden "Mein-letztes-Wort"-Angeboten konfrontierte ich dann den naechsten Verkaeufer. So bekam ich das Geraet, statt des zuerst eingeholten Angebots von 13200 Rupien incl. Steuern das Ganze+ Schale fuer 10403 Rupien. 3 Rupien wurden mir erlassen. Grosszuegige Menschen hier ("Halsabschneider, Wucherer Wegelagerer, Strauch-UND Tagediebe, Ausbeuter, Schlitzohren,..schimpf...rohrspatz...")!
Mit diesem Geraet bin ich aber wenigstens sehr zufrieden. Gut, gell?

Sunday, October 22, 2006



Um nochmals auf die Einladung bei Thomas und Steffi zurückzukommen: die kleine Party hat enorm viel Spass gemacht. Im Prinzip nur ein get-together auf der Terasse, bei dem laute Musik, geringfügige Mengen Starkbier in Kombination mit DREI Flaschen indischem Whisky eine Rolle spielten (Donnerknispel!). Der indische Whiskey ist übrigens nicht schlecht. Vorher hatten wir uns mit Pizzahutpizza gestaerkt. Ich ass eine orginal Hawaiipizza mit Huhn drauf. Huhn, Huhn, immer Huhn! Menschenskinder, jetzt lasst doch mal diese Scheisshühner in Ruhe! Ich will Schinken, Spanferkel und Salami. Und Steaks!! Muss ja nicht mal heilig sein! So oder so ähnlich hallt es ab und zu von Magen und Zunge Richtung Großhirn.

Na ja, irgendwann morgends um 5 gingen uns die Zigaretten aus. Daraufhin splitteten Parin und ich uns ab. Auf der Strasse angekommen, hielten wir einen ca. 100 Jahre alten bunt bemalten LKW an, dessen Fahrer so nett war, uns standesgemäß beim naechsten Fünf-Sterne-Hotel vorzufahren.
Dort bestellten wir für immens viel Geld iced tea (1,50 Euro!), um unsere Bestellung um mehrere Packungen Zigaretten aufzustocken. Solchermassen bevorratet fuhren wir zurück zu den anderen.
Dort angekommen, wurden die verbleibenden Spirituosen gemäss Beipackzettel verabreicht, wonach wir uns gegen 9 Uhr morgens berufen fühlten, den Heimweg anzutreten.Thomas und Parin

Ich teilte meinem Rikschafahrer das Ziel mit, stieg auch ungefähr dort aus, und verbrachte die nächsten 20 Minuten damit, den genauen Weg zu meinem Domizil zu erfragen. Jeder meiner Gesprächspartner fing an, breit zu grinsen. Vermutlich, weil erstmalig meine englische Aussprache der Ihren glich.

Am Sonntag fuhren wir gegen Mittag nach Mamallapuram, dem nächsten schönen Strand, an dem man baden kann. Dieser ist ca. 50 km entfernt.Ich bin übrigens der rechts von dem dicken Typ!

Dort stiegen wir im Ideal Beach Resort ab, entrichteten Kurtaxe, und liessen es uns gut gehen.
Ein Kellner kommt dort vorbei und bringt Handtücher, Stühle sowie Essen und Trinken.
Jedenfall hat er das vor.

In Indien, jedenfalls in diesem Teil, sprechen die meisten Menschen in dienender Funktion nur radebrechend englisch. Auch haben sie niemals eine Ausbildung bekommen. Dazu kommt, dass die meisten Inder einfacher Herkunft ein bisschen Angst vor Weissen haben. Ausserdem sind sie ein bisschen dusselig. Aber lieb.
So sie sind zwar freundlich und geben sich bemüht, aber kann man sich bei ihnen in Geduld und Hartnäckigkeit ueben.
Wenn ich also eine Bestellung aufgebe, sagen wir, über zwei Mal Pommes Frites, ein lime soda, aber nicht zu sauer, und zwei Kaffee. Ach so und bitte Milch in den Kaffee. Ob er mir bitte auch noch einen Stuhl und einen Aschenbecher bringen könnte, dann habe ich einen grossen Fehler gemacht:
zunächst einmal ist die Frage fehl am Platze, ob er dies oder jenes könne. Auf jede solche Frage wird er, seitlich den Kopf wiegend, mit ja antworten, weil er mich nicht enttäuschen möchte. Die zusätzlichen Informationen wie Milch im Kaffee überschreiben das Basisprogramm. Das lime soda kann ich also genauso vergessen wie er vor mir. Das hat was mit Arbeitsspeicher zu tun. Wenn ich, was mir leider immer noch passiert, dabei zu schnell spreche oder überflüssigerweise ganze Sätze bilde, schreibt er, aufmerksam zuhörend, in grossen Krakelbuchstaben "Hilfe!" auf sein Kellnerblöckchen.

Hier bitte ich, mir einen kurzen Einschub zu gestatten:
Ich moechte nicht den Eindruck erwecken, dass sich hier der feine Kolonialherr
Mr. Lass-sich-den-Arsch-nachtragen beim dritten Whiskey zum Lunch ueber die Dämlichkeit seiner Eingeborenen-Schranzen amüsiert.

Ich bilde lediglich ab, was ich hier täglich erfahre. Auesserdem liegt der Fehler in oben genannter Situation bei mir. Er ist kein Kellner, er ging nur kurz zur Schule, er versteht mich nur schlecht.
Also eine taugliche Bestellung wäre (dead serious):
"Hey boss! Wanakam!Two coffeeah, hah, Milkah, hah?! One Lime soda, hah?! Two french fries, hah?!
Repeat order, hah?! Nandi!"
Das nachgestellte "hah" in diesem Quasi-Pidgin ist wie ein deutsches ' nicht wahr?, gell ?, ok?' zu werten. Die Bestellung lässt man wiederholen, weil man sichergehen will, das alles klar ist, aber eigentlich nur, damit man hinterher weiss, was nicht gekommen ist und nachbestellt werden muss. Hey, that's India! Wer sich über so etwas echauffiert, und das tun einige, ist hier schlicht fehl am Platze. "Wanakam"heisst in etwa "Gruess di, Franzl!" und "Nandi" heisst "Danke" auf Tamil.

An diesem Strand also hingen wir den lieben langen Sonntag ab, spielten mit Feuereifer Beachball, und liessen uns von den traumhaften Wellen über den Sand schleifen.
An den Rändern des Strandes - dieser ist mit Kokosnüssen optisch abgesteckt - stehen Fischersfrauen und deren Kinder, die riesige Muscheln, Seepferdchen und grosse Baumwolldecken verkaufen. Den Strand betreten dürfen sie nicht. Dafuer sorgt ein Wachleut mit Stock; letzterer kommt natürlich nicht zum Einsatz. Erstens, weil die Frauen den Strand nicht betreten (bis auf ein sehr goldiges kleines Mädchen, dass Narrenfreiheit geniesst und ab und zu mit einem Seepferdchen winkend die Gäste angrinst).
Zweitens, weil der Wachmann vermutlich mit einer der Frauen verheiratet und Vater der Goldigen ist. That's India.

Zum Ende des Badetages habe ich ihnen eine Baumwolldecke abgekauft (als ich nach Hause kam und diesen Schatz begutachtete, konnte ich mir einen gewissen mitleidig-selbstkritischen Seufzer nicht verkneifen).
Diese Menschen sind sehr freundlich und können sich im Rahmen ihrer Verkaufstätigkeit auf englisch, deutsch und französich verständigen.
Ein indischer Geschaeftsmann würde sich jedoch nach meiner bisherigen Kenntnis im Leben nicht mit Ihnen unterhalten.

Es sind Unberührbare. Diese je nach Standpunkt "dalit" (Unterdrückte, Ausgebeutete) , "harijan" (Kinder Gottes oder eigentlich "Vishnu-geborene", Wortschöpfung von Mahatma Ghandi) oder "scheduled classes" (Amtsbegriff für Sonderkasten) genannten Menschen werden zwar von der Regierung gefördert (so haben z.B. Unis eine hohe Pflichtquote solcher unterprivilegierter Menschen), sozial leben sie aber soweit von den anderen entfernt wie nur möglich.

Die Menschen am Strand haben dabei besonderes Pech gehabt. Sie leben seit Urzeiten vom Fischfang.
Urspruenglich war das Vegetariertum nicht Bestandteil des hinduistischen Glaubens. Als diese Schonung jeglichen Lebens aber Kernbestandteil des Glaubens wurde, sah sich der Berufsstand des Fischers gewisser Kritik ausgesetzt.
Sie fischen ja nicht fürs Aquarium.
Ursprünglich waren Sie also ein nützlicher Bestandteil der Gesellschaft, zack, schon guckt man Sie an wie Finanzbeamte oder Politessen.
Das Leben ist kein Ponyhof!

Danach waren wir im Ort Mamallapuram, wo Touristen hingehen. Und wir. Wenn wir Hunger haben. Oder sonst so.
Jedenfalls liegt das nahe am Strand und man kann nach harter Strandarbeit prima dort essen gehen. Dort gibt es auch Fleisch ohne Hühnchen! Ich bestellte einen Teller fritierte Prawns in einer Knoblauch-& Zitronensauce und ein fresh beef steak als Nachtisch. Begeistert war ich nicht, aber ab und zu freut man sich über ein bisschen "normalen" Geschmack.

Laut Aussage eines Inders besteht der Unterschied in den beiden Küchen darin, dass in Europa Gewürze das Grundprodukt (Fleisch, Gemüse)betonen sollen, und in Indien das Grundprodukt eher als Trägersubstanz fuer ein orgiastisches Gewürzvergnügen gilt.

Montag brachte neben fünf weiteren Seiten Computerzaubersprüche nicht viel Neues. Am Dienstag wurde Johannes verabschiedet. Von links nach rechts: Johannes, Olaf, Parin (cooler IT-Inder+netter Kerl) , Panna (Parins Mutter, aus Bombay fuer 1-2 Monate zu Besuch!), Pallavi (Parins Tante, auch aus Bombay), Ansgar, Unterfertigter.

Seine Aufgabe als mein Obiwan Kenobi war erfüllt. Ab jetzt sollte ich meine Rolle als Yedi selbständig erfüllen. Auf sein Bitten blieben wir (Olaf und ich) bis zur Ankunft seines Taxis um 4 wach. Da ich -sowieso schon hundemüde- am nächsten Tag "in der Firma" erwartet wurde, schlug Johannes vor, dass in absentia meiner Mutter er einen Entschuldigungsbrief an den Chef schreiben koenne 'a la mein Yedischüler kann heute nicht vor Mittag zum Unterricht kommen, weil er mit mir auf dem Dach Bier pressen musste. Da er versicherte, dies sei kein Problem, beschloss ich, ruhig einmal vertrauensselig zu sein.

Einen anderen Vorschlag, mit dem Argument eines Magen/Darm-Problems den ganzen Tag blau zu machen, wies ich von mir. Nicht mein Stil. Ehrlich währt am längsten!

Also mal unter Freunden: der saubere Herr Ehrlich hatte am nächsten Morgen ja sowatt von den flotten Ranjid zu Besuch!!
Zwischen den Fieberschüben und nach Einnahme diverser Medikamente rollte ich mich in eine Rik und war um kurz nach zwölf im Buero. Dort tat ich eine Weile Gutes und verholte mich sodann wieder nach Hause, wo ich einen wohlverdienten freien Abend sowie etwas Nahrung einschob.



Kurzer Ausblick: Deevali ist das größte Fest der Hindus, in der Wertigkeit vergleichbar mit Weihnachten. Dabei wird gleichzeitig das Jahr ausgeläutet. Zu diesem Anlass bringt der Durchschnittsinder im Kreise seiner Familie etwa 200 kg Schwarzpulver in mehr oder weniger grossen Chargen zur Explosion.

Ausserdem im nächsten Heft: "Der Todesstern im Funktelefon!"

Sunday, October 15, 2006

Am Freitag war eine kleine Delegation des Deutschen Bundestages zu Gast bei der Deutsch- Indischen Handelskammer. Die Abgeordnete Marina Schuster (FDP) und der Abgeordnete Erich G. Fritz (CDU), Mitglieder des Unterausschusses für Globalisierung und Aussenwirtschaft, statteten Indien einen achttägigen Besuch ab. Die Entourage bestand lediglich aus einer Organisationsmitarbeiterin des Ausschusses und einer Übersetzerin. Ursprünglich sollten es sechs Abgeordnete sein, zwei hatten früh abgesagt, die restlichen zwei hatten sich anscheinend in Deutschland eine Magenverstimmung geholt. Das war sehr schlau von Ihnen: mit einem derart schwachen Immunsystem wären sie bei Verlassen des Flughafens Madras nach dem ersten Atemzug tot umgefallen. Mit Schwund ist zu rechnen.


Zwei Tage verbrachte die Delegation in Chennai, dem viertwichtigsten Wirtschaftsstandort Indiens. Dabei begleitete uns der Generalkonsul der Bundesrepublik Deutschland in Chennai, Herr Johann Heinz Kopp.
Unser erster Tagesordnungspunkt war der Besuch beim IIT Madras, dem Indian Institute of Technology.
Dort wurden wir von der Universitätsleitung, Rektor, Dekane etc. begrüßt und über die indische Universitätslandschaft informiert. Besonders interessant war die Tatsache, daß alle IIT-Standorte jeweils ein Partnerland haben: USA, Russland, Großbritannien, Frankreich und für Madras eben Deutschland.
Mit Ausnahme des IIT Madras, das in den Anfängen stark von Deutschland unterstützt wurde, mittlerweile aber wohl auf akademischer Augenhöhe steht, haben alle anderen Partnerländer wohl nur versucht, die jeweiligen Institute für sich zu nutzen und mittlerweile das Interesse verloren.
Daher treten ständig Professoren bzw. ganze Institute der anderen IIT-Standorte an IIT Madras heran, um bittebitte deren enge und fruchtbare Kontakte nach Deutschland in Anspruch zu nehmen.
Unsere Art, mit langem Atem und in freundschaftlicher Weise Unterstützung zu gewähren, wurde und wird hier ungemein positiv aufgenommen und nicht vergessen.
Die Inder sind in Fragen solchen Umgangs miteinander sehr feinfühlig. Insbesondere die Vereinigten Staaten werden zwar für Leistung und Lebensgefühl bewundert (leider oft ohne diese wirklich zu kennen), aber auch als gegenüber anderen Ländern rücksichtslos und eigennützig gefürchtet. Es bleibt zu vermerken, daß unser Land in Indien einen ausgezeichneten Ruf genießt. Leider wird das wenig genutzt. So würden die IIT´s sich über mehr deutsche Studenten freuen, die in Indien an den teilweise herausragenden Lehrstühlen lernten.

Etwas besorgniserregend war die Aussage des Rektors, die Software-Branche sei zwar sehr erfolgreich und imageträchtig: sie sei aber ebenfalls beschäftigungsarm, krisenanfällig und schnelllebig. Indien werde sich daher bemühen, eher im Ingenieursbereich und in der Manufaktur zuzulegen. Da dies Kernbereiche deutschen Wohlstands sind, dürfen wir da nicht ins Hintertreffen geraten.
Das mag sich zwar ganz besonders oberschlau anhören.
Wenn ich jedoch sehe, wie sich in Indien 350 Millionen ausreichend bis hervorragend gebildete junge Menschen erst anschicken, die Welt umzukrempeln und der bisherige enorme Wirtschaftszuwachs ein reiner Vorgeschmack war, würde ich mir wünschen, daß die deutsche Wirtschaft und Politik diesen Prozeß nicht verschläft, um unsere freundliche doch profitable Teilnahme daran zu sichern (grins, reib die Hände).

Zweiter Tagesordnungspunkt unserer Gäste war der Besuch bei einer Schuhfabrik, in der Timberlands, Florsheim u.a. Marken hergestellt werden.
Dieser Besuch begann mit Besichtigung der Produktionsstraßen, an denen fast ausschließlich junge Frauen sitzen. Nicht aus dem Grund, daß diese billiger wären. Vielmehr waren ursprünglich die meisten Angestellten Männer. Es stellte sich aber heraus, daß Frauen sorgfältiger arbeiten und generell weniger Schwierigkeiten machen. Hoert, hoert!
Im anschließenden Vortrag des Leiters freute ich mich, zu hören, daß diese Frauen erstaunlich gut versorgt werden: sie bekommen bezahlten Mutterschaftsurlaub (bei und nach Schwangerschaft natuerlich!), eine Altersversorgung sowie eine Krankenversicherung, was in diesem Land alles andere als selbstverständlich ist.

Danach besuchten wir Sysl Systems, eine indische IT-Tochter von Siemens. Deren Auftragslage, Kundenstruktur und Zukunftsvision waren beachtlich. Dennoch war ich ein bißchen enttäuscht, daß sich die Präsentation als weichgespültes BWL´er Gewäsch herausstellte. Es dürfte aber auch schwierig sein, vor solchem Laienpublikum eine Software-Firma plastisch anschaulich darzustellen.
Jedenfalls wurden wir mit einem sehr guten Lunch entschädigt.

Als nächstes nahmen wir eine Fabrik für Bremsbeläge in Augenschein. Ich weiß jetzt alles über Bremsbeläge, was ich wissen wollte. Das ist aber auch soo spannend, daß ich Euch nichts vorwegnehmen möchte. Kommt vorbei, schaut´s Euch an, es wird Euch umhauen.

Letzter Tagesordnungspunkt war die Software-Firma Hexaware, die in der IT-Landschaft ebenfalls enorm wichtig ist und sehr schnell wächst. Auch dieser Besuch war etwas zäh, da wir bereits seit über 8 Stunden im Sprinttempo unterwegs waren.
Sehr amüsant war jedoch, daß ein wichtiger Teilnehmer (ich war´s nicht) einschlief, WÄHREND er sich mit dem neben ihm sitzenden Mitglied der Geschäftsleitung von Hexaware unterhielt.

Abschließend läßt sich sagen, daß dieser Teil der Tätigkeit als Parlamentarier sicherlich nicht jedermann Sache ist. Ich fand den Tag über große Strecken interessant. Besonders die Bremsbeläge.

Solchermaßen geschlaucht ließ ich mich dennoch nicht davon abhalten, abends mit Johannes, Olaf, Ansgar, Thomas, Steffi und Parin in die Discothek eines five-star-hotels zu gehen. Leider gibt es hier außerhalb von diesen "5-Sterne"-Hotels keinerlei Bars, Kneipen oder Discos (das hättest Du mir ruhig sagen können, Felbert II !).

Das war ein ganz cooler Laden, in dem sich die Angestellten gegenseitig über den Haufen rennen, um dem (weißen) Gast Wünsche zu erfüllen.
Etwas befremdet war ich aber doch (außer von der Tatsache, daß hier wirklich an jeder Ecke, in jedem schmiedeeisernen Zaun und auf nahezu jeder Geschenkverpackung Swastikas, d.h. umgekehrte Hakenkreuze sind. Diese sind aber hier so positiv und harmlos, wie bei uns ein Kleeblatt; sie haben auch eine ähnliche Bedeutung):
im unteren Bereich und damit in der eigentlichen Disco dürfen sich nur Weiße, indische Frauen und indische Paare aufhalten, letztere beiden eigentlich auch nur, wenn sie dort bekannt sind.
Indische Singlemänner haben eine Rundum-Empore, durch ein Netz abgespannt, von der sie genau betrachten dürfen, wie man Spaß haben kann.
Das ist jedoch keine Erfindung der Weißen, sondern der indischen Manager.
Die indische Gesellschaft kann getrost als asexuell bezeichnet werden. Wenn sich hier ein verheiratates Paar auf der Straße umarmt, ist das bereits anstößig. Ein offener Kuß wäre skandalös und unsittlich.
Nahezu alle indischen Frauen wissen bis zu Ihrer Heirat, bzw. der darauffolgenden fünfminutigen Hochzeitsnacht gar nichts über Sex. Danach vermutlich auch nicht, aber irgendwas ist ja immer!
Entwicklungshilfe in diesem Bereich ist ebenfalls nicht erwünscht, Lars!

Ein indischer Mann ist also mit partytauglich angezogenen Mädels hormonell völlig überfordert.
Da westliche Frauen (die möglicherweise schon mal Sex hatten!!!) ein absolutes Lustobjekt sind (Sitte und Anstand müssen denen ja zwangsläufig fehlen), ist es im härteren Norden Indiens und besonders in Delhi für eine weiße Frau nicht ratsam, irgendwohin alleine hinzugehen. Es ist dort bereits viele Male zu sexuellen Übergriffen gekommen.
Hier im Süden sind die Menschen zwar viel friedlicher, aber eine Segregation wie oben beschrieben ist wohl nicht zu verhindern.

Übrigens gilt dieses züchtige Verhalten nicht für die kleine Oberschicht: deren Söhne gamsen den Babes genauso hinterher wie in Deutschland.
Diesbezüglich wird hier ein krasses Feudalverhalten an den Tag gelegt.

Am darauffolgenden Samstag fand das bereits beschriebene Fußballspielspiel statt, danach fuhren wir noch in ein großes Shoppingcenter und abends wieder in dieselbe Disse.
Den Sonntag habe ich weitestgehend auf der Dachterasse verchillt.
Die darauffolgende Woche war von harter Arbeit geprägt:
von Dienstag letzter bis Montag dieser Woche durften wir von fruh bis spat ein umfangreiches Software-Vertragsangebot übersetzen. Obwohl ich weiß, daß die Übersetzung gut ist
(makellos wäre unbescheiden), habe ich bis dato keine Ahnung, worum es darin im speziellen geht. Das hat uns fast 7 Manntage gekostet.
Am Mittwoch abend dieser Arbeitswoche waren wir beim GBG, der German Business Group.
Diese besteht aus deutschen und indischen Unternehmern und Firmenmitarbeitern und soll Kommunikation und Verständnis untereinander verbessern.

Interessanterweise war der hauptsächliche Gesprächspunkt, daß sich die Organisatoren über die mangelnde Präsenz der Mitglieder beschwerten, die sich im Gegenzuge über die mangelnde Stringenz und Zielstrebigkeit der Organisatoren beschwerten.
Als das meeting zu Ende war, wollte ich eigentlich ins Schifferzimmer gehen, um nach dem CC ein paar Bierchen zu trinken.
Im Prinzip hätte man die Situation in den Niemannsweg beamen können.

Am Donnerstag ging ich nicht weit weg von meinem Appartment zu einem indischen Nobelfriseur. Dort wollte ich mir einen zackigen trockenen Schnitt für 70 Rupien verpassen lassen, und ließ das den Ladenschwengel auch wissen. Dieser entpuppte sich jedoch als ein strammer Barbiergeselle von gut und gerne 14 Jahren. Nachdem er den Schnitt angefangen hatte, bemerkte er irgendwann "Suhjuwannsumloshunginzadandruff?" "Dandruff?" quackte ich indigniert (dandruff,engl=Schuppen). Nein, noch nicht, meinte Vital Sessuhn, aber ich hätte trockene Kopfhaut, und man könne ja nie wissen. Na gut, dachte ich, soll er mir da ruhig was für 20, 30 Rupien in die Haare schmieren. Schließlich hat er zu Hause seine neunjährige Ehefrau zu versorgen und dann noch die ganzen Kinder! Kurze Zeit später kam er zurück und schlug in einer irdenen Schale flockigweißen Schaum mit der Hand zu noch flockigerer Schaumigkeit. Dieser sehr angenehm kühle und reichhaltige Schaum wurde mir dann ca 20 Minuten in den Skalp einmassiert. Ein Traum in Schaum, ich wäre fast eingeschlafen. Anschließend wurde ich noch 20 Minuten unter eine Dampfhaube gesteckt, die die Revitalisierung meiner zahlreichen verbliebenen Haarwurzeln fortsetzte. Dann wurden mir fachkundig die Haare gewaschen. Zuletzt wurde das ganze noch trockenmassiert.
Es stellte sich heraus, daß diese Behandlung für indische Verhältnisse doch recht kostspielig ist. An Stelle von 70 Rs. wurden 404 Rs. verlangt. Da ich ich sehr zufrieden war, gab ich ihm 450 Rs. Mittlerweile habe ich ausgerechnet, daß von diesem Geld gegenüber von meinem Büro eine 18-köpfige Familie all-you-can-eat (= satt!) das Tagesgericht essen kann. Jetzt muß sie hungern. Aber ich habe die Kopfhaut eines Kullerpfirsichs!

Am Samstag schimmelten wir nur auf der Terasse herum, um abends zu Thomas und Steffi zu gehen, wo wir tüchtig dem indischen Whisky zusprechen wollten. Vorher waren wir noch kurz auf dem Praktikantentreffen des Max-Müller-Bhavan (Goethe-Institut).

Das Problem war, und an der systematischen Stellung dieses Punkt könnt Ihr sehen, daß ich ihn fast verdrängt hätte: VON MITTWOCH 17 UHR BIS SONNTAG EINSCHLIEßLICH GAB ES IN GANZ TAMIL NADU KEINEN ALKOHOL ZU KAUFEN! NIRGENDS!
Da man im Rahmen der hiesigen Kommunalwahlen gewalttätige Auseinandersetzungen für möglich hielt (mit dem Indizienbeweis, daß die sich hier jedesmal verwämsen.
Das wird von bezahlten Parteischlägern angezettelt), wurde in einem Gebiet von nahezu exakt der Größe Englands fmit einer Bevoelkerung von ca. 70 Millionen für fünf Tage die Prohibition ausgerufen. Fuenf Tage!!!

Das wurde uns übrigens am Mittwoch um 18 Uhr im Büro von einem Dienstboten gesteckt (Ihr erinnert Euch: 17 Uhr war Feierabend, also danke für gar nichts!)
Wir mußten also sofort eine Flüsterkneipe oder einen Schwarzbrenner respektive -verticker auftun, wenn wir nicht eines schrecklichen Todes sterben wollten. Das dauerte fünf Minuten. Als wir den "Mitarbeiter" ausfragten und ein bißchen auf unseren Unmut ob dieser Versorgungsschwierigkeiten hinwiesen, rief er bald einen Freund in Pondicherry an, einer Enklave, die ca. 140 km entfernt ist, und von der Zentralregierung verwaltet wird.
Am nächsten Abend saßen wir auf der Dachterasse auf einem Umzugskarton voll Bier.
Schööön!
(Ich muss daran denken, fuer derart ungeplante Fastenzeiten irgendwo einen Kasten zu bunkern, wo ihn meine Maeuse nicht austrinken koennen. Schluerf, kicher!)

Friday, October 13, 2006

Als die gierigen Feuerschlingel endlich Ihr Bimbesmobil bestiegen hatten, um den nächsten armen Teufel die letzten Scheinchen aus den verrußten Taschen zu ziehen, stieg ich auf die Dachterasse um die Eindrücke auf mich wirken zu lassen. Glücklicherweise war gerade der liebe Olaf gekommen, dem wir ein herzliches "Willkommen!" zuriefen, weil er einen Kasten Bier unter dem Arm trug.
Unter Vernichtung desselben ließen wir den Abend ausklingen.

Muß jetzt leider los, bald gibts mehr von Besuchen von Bundestagsabgeordneten, meetings mit Industriebossen, einem Friseur, zu dem man für 70 Rupien hingeht und mit einer 450 Rupien Wellness-Kur nach Hause kommt, sowie ätzenden anstrengenden Tagen bei der Übersetzung von Software- Verträgen.....

Monday, October 09, 2006

Nachdem ich mich für 2 Stunden hingelegt hatt, traf ich dann auf meinen Vorgänger und Indien-Lehrmeister Johannes. Sehr straighter und sympathischer Mensch, mit dem ich in kürzester Zeit die krassesten Sachen erlebe.
Abends trafen wir uns auf der Terasse von Johannes, wobei ich Olaf und Ansgar kennenlernte. Olaf ist Praktikant bei einem Energie-Zulieferer, verdient da aber so viel wie der Bürgermeister von Madras. Er hat einen Koch und einen Fahrer.
Was für ein zorniger, zorniger junger Mann!
Er ist etwas ungeduldig und kriegt hier mindestens dreimal täglich die Vollkrise. Dazu muß man wissen, daß unsere Gastgeber hier nicht alles hinkriegen, bzw. nicht immer sofort. (Untertreibung des Jahres).
Ansgar ist als Bauingenieur hier. Er ist ein netter, sehr chilliger und wesensruhiger Mensch. Er wirkt dem Nirvana sehr nahe, weist aber den Vorwurf von sich, er habe das durch Kräuterdämpfe erzielt.

Der 3. Oktober ist hier selbstverständlich auch Feiertag, wenn auch nur für die Handelskammer. Tagsüber war ich einige Sachen einkaufen, am Abend waren wir auf dem Empfang des Generalkonsuls im Taj Coromandel Hotel eingeladen. Dort gab es für etwa 250 Gäste ein indisches und deutsches Buffet. Da ich mich frisch importiert fühlte, habe ich nur beim indischen Buffet zugeschlagen (und bei den Getränken selbstverständlich!). Möglicherweise werde ich das noch bereuen, weil es nahezu kein europäisches Essen in dieser Stadt gibt. Mit Glück findet man etwas, das etwa so schmecken soll.
Das indische Essen schmeckt mir jedoch sehr gut. Es ist teilweise etwas gewöhnungsbedürftig aber lecker. Hier sind ca. 70-80% der Menschen Vegetarier, was die Sache nicht leichter macht.

Am Mittwoch waren wir also das erste Mal im office. Sehr nette Leute dort! Johannes hat eine Übersetzung angefertigt und ich habe einem säumigen indischen Lederfabrikanten übers Telefon mit der heiligen Verwesung gedroht. Leider muß man hier Anfragen, Bitten etc. sehr nachdrücklich, d.h. eigentlich im Befehlston formulieren, damit endlich was passiert.

Ich muß aber zur Ehrenrettung sagen, daß die Inder, d.h. hier die Tamilen ein äußerst freundliches und liebenswürdiges Völkchen sind (knappe 65 Millionen).
Sie lächeln relativ viel und sind außergewöhnlich friedlich. Man hört hier selten ein lautes Wort oder einen Streit.
Leider sind wir gerade im Kommunalwahlkampf. Dabei soll es zuweilen dann doch dazu kommen, daß Parteigaenger die Gegenseite mit Knüppelschlägen und Backsteinwürfen an den Kopf von Ihrer politischen Meinung zu überzeugen suchen. Da bleibt auch schon mal einer liegen.

Am Donnerstag war die Arbeit etwas schwieriger zu bewältigen: leider fiel den ganzen Tag das Netz aus. Johannes und ich haben einen claim case, also eine Bitte um Schlichtung einer rechtlichen Streitigkeit zunächst auf deutsch rechtlich analysiert und dann Lösungsvorschläge für das meeting unseres Chefs mit den Beteiligten formuliert. Danach wollten wir das Ganze ins Englische übersetzen, hatten aber kein Internet-Wörterbuch (incl. Jura), sodaß wir unter Zuhilfenahme normaler Wörterbücher das Juristenzeug mühsam ins Englische schrauben mußten.
Zu Hause angekommen, flog die Sch... in den Ventilator. Beim Betreten meiner Wohnung fiel mir sofort ein beißender Geruch auf, den ich zunächst für Gas hielt. Diese Information schrie ich sofort zu Johannes hoch, der seinen Hängearsch dann irgendwann runterschleppte. Außer dem Geruch war die Luft ein bißchen qualmig. Es waren aber keine Flammen zu sehen. Johannes vermutete, daß dies daran liege, daß die Inder Gas verwenden, das aus alten Gummistiefeln hergestellt werde. Zuerst verließen wir fluchtartig das Haus, um kurz später wieder zurückzukehren, um ein paar Habseligkeiten mitzunehmen (Bier, Kippen, Reisepaß u.ä.).
Dann rief ich den Hauseigentümer (meinen Chef) an, und schilderte das Problem.

Nach erneutem Betreten der Wohnung checkte ich den Gasherd, den ich bis dato noch kein einziges Mal angefaßt hatte. Er war ausgeschaltet und kein Zischen war zu hören. Außerdem war der Qualm im Wohnzimmer viel stärker als in der Küche. Das machte mich mißtrauisch. Auf erneuten Check der Wohnung sah ich dann den riesigen Schrank, der über der Eingangstür eingelassen ist. Er ist ca 3m lang, 1m hoch und 1m tief. Durch die dünnen Schlitze konnte ich lodernde Flammen sehen.
Kinda, wat ham wa jelacht!

Ich rief erneut meinen Chef an und sagte ihm, daß seine Bude brenne. Er antwortete, daß er seinen Fahrer schicken werde!!!

Nicht nur, daß der Fahrer in dem wirklich für einen Europäer nicht vorstellbaren Verkehr eine halbe Stunde braucht, auch fragte ich mich, was der Fahrer hier überhaupt soll. Den Vorschlag meines Chefs, ich solle doch Wasser draufkippen, lehnte ich dankend ab. Jeder, der in den Neunzigern "Backdraft" gesehen hat, macht einen solchen Riesenschrank nicht auf. Wenn ich dadurch dem Feuer `ne Extraportion Sauerstoff spendiere, leckt das Feuer meterlang über zwei Decken: die Zimmerdecke und meine Schädeldecke. Außerdem sind der Vorhang und das Bücherregal sofort mit von der Partie.
Also empfahl ich dem Chef wärmstens, die Feuerwehr zu holen. Mittlerweile waren ca 15 min verstrichen. Daß das Feuer und die Rauchentwicklung immer stärker wurden, bedarf keiner Erwähnung. 15-20 min später rief mich die Feuerwehr an und fragte mich, ob ich was bräuchte. Auf meine Antwort, wir bräuchte hier sofort "firemen" sagte Brandmeister Lichterloh, sowas hätten sie nicht. Ob sie ein "fire vehicle" schicken sollten. Das nahm ich dankend an.

Geschlagene 15 min später hatten die Feuerwehrleute sich dann herbequemt und setzten sofort zur Aktion an: indem sie sich etwa 10 min mit den herumstehenden Nachbarn unterhielten. Dann fragten sie uns, wo denn das Feuer sei. Irgendwann schlurfte so ein Knilch die Treppe hoch. 2 min später kam er wieder herunter und fragte Johannes, ob er mal mit hochkommen könne. Er konnte. Dann kamen sie wieder herunter und beratschlagten 5 min, was zu tun sei. Oder was es zum Abendessen geben solle, keine Ahnung!

Dann fragten sie die Nachbarn, ob die einen Hocker für sie hätten, damit sie an den Schrank rankämen!!! Ich nehme an, sie hatten ihre Leiter vergessen, oder Leitern sind hier heilig oder so was. Spätestens zu diesem Zeitpunkt knallte mir die Sicherung durch.
Die folgende Frage eines Feuerwehrmannes an uns, ob wir vielleicht eine Taschenlampe für ihn hätten, nahm ich nur noch mit einem derangierten Lächeln zur Kenntnis.

Bevor der Hocker kam, dies dauerte etwa 1 min, hielten es die Dillett... Fachleute für angezeigt, den von uns extra weggewuchteten Rauchglastisch aus Deutschland (Wert etwa 3,5 Monatslöhne eines unserer Fahrer) zu besteigen. Leider überschritten sie dabei die zulässige Nutzlast dieses Möbels. In den Papieren stand: Zahl der aufzuladenden Feuerwehrmänner:0.
Zwei waren also zuviel. Das Ergebnis war deutlich zu hören.
Als das Feuer dann gelöscht war, (wie, weiß ich nicht, sie hatten kein Gerät dabei, vermutlich ist es vor Langeweile eingeschlafen) sahen wir uns den Schaden an (Schrank ausgebrannt, alles darin verkokelt, Decke schwarz), liefen die Feuerwehrspinner wie Falschgeld durchs Haus. Sie gingen einfach nicht weg!

Irgendwann bemerkte ich das auffordernde Lächeln und leicht geöffnete Hände. Auf die Frage an unsere Dienstboten, ob die doch jetzt nicht tatsächlich Bakshish haben wollten, meinten die, doch, es sei zwar ein Skandal, aber ob man etwas von der Polizei oder der Feuerwehr wolle, man müsse leider immer schmieren. Wir sollten aber nichts geben, sie würden das aushandeln. Schließlich gaben sie ihnen 1200 Rupien, wofür sie etwa eine Woche arbeiten müssen (kriegen sie vom Chef zurück).
Es ist nicht zu glauben!
Übrigens ist man hier nie einsam. Man bekommt fast ständig Besuch.
Von den Mosquitos abgesehen, hatte ich schon eine Ratte hier. Die war aber auf der Durchreise von Bangalore nach Cochin und hat hier nur einen stopover eingelegt.
Fast immer da ist aber die FvD. Die Feldmaus vom Dienst. Ich hab noch keinen Namen für sie.
Vorschläge werden bis übermorgen angenommen.Niedlich, gell?!

À propos Mosquitos (eigentlich Moskitos, aber so klingt es besser):
die Pest ist erträglich dagegen. Im Moment habe ich noch keine gute Aufhängung für das Mosquitonetz, deshalb liege ich mit meiner Samthaut gegen das Netz, wenn ich schlafe. Das dient den Biestern als bequemer Sitz. Anfangs habe ich mich nicht mit repellent eingeschmiert. Jetzt habe ich 17 Stiche an der linken Hand und sage und schreibe 26-29 Stiche am linken Elenbogen (schwer zu zählen). Es sieht aus, als sei mein Ellenbogen in die Pubertät gekommen.
Fotos davon erspare ich dem geneigten Leser.

Zum Trost zwei Fotos von Shops neben unserem modernen Bürogebäude, sowie ein übliches vegetarisches Mittagessen: Gemüse, verschiedene Saucen und Reis. All you can eat für 25 Rupies, also 40 Eurocent.

Man isst hier übrigens eigentlich immer mit der Hand....und ja, Knappe, ich weiß, wonach das auf dem Reis aussieht! Gruß nach Hamburg!
Gehe jetzt Samstags auf dem Gelände der amerikanischen Schule Fußballspielen. Das letzte Mal haben wir, das alte Europa (Deutsche und Franzosen) gegen die neue Welt (Koreaner, US-Amerikaner) gespielt und 5:1 gewonnen! Pull my finger, Mr. Rumsfeld!!!
Übrigens: alle Tore, die außer dem einen unhaltbaren, unglücklichen und durch einen üblen Abwehrfehler ausgelösten Tor gegen uns NICHT gefallen sind, habe ICH gehalten! Alle! Gehalten! Ich! Schon´n Mordskerl brummelbrummel...

Sunday, October 08, 2006

Tag 1-8
Der Flug von Düsseldorf nach Dubai war angenehm. Leider wurde die an meinem Platz überproportionale Beinfreiheit bald von einem Kinderbettchen eingenommen. Naja, wenigstens hat es die Klappe gehalten. Das Kind, nicht das Bettchen. In Dubai angekommen, war ich sehr fasziniert von der Vielfalt der Menschen. Auf diesem arabischen Drehkreuz sieht man Afghanen, Perser, Araber, Chinesen, Afrikaner. Die meisten davon liegen in den Ecken und vor den Sitzen und schlafen.
In Chennai angekommen dauerte es eine gewisse Zeit, bis ich die nötigen Einreisepapiere ausgefüllt hatte. Behördensachen sollte man hier sehr gewissenhaft erledigen, da die Lösung von aufgetretenen Problemen oft sehr schwierig ist, besonders wenn sie offizieller Natur sind. Ich wurde von einem Fahrer der Kammer abgeholt, obwohl Ghandis Geburtstag war. Ansonsten hätte ich mich schwer getan, durch die tausend Menschen durchzukommen, die vor dem Flughafen standen. Rupien hatte ich keine dabei, weil ich von meinem Vorgänger wußte, dass die Deutsche Bank (Gott segne sie!) hier stark vertreten ist.

Das Wetter hier ist sehr gewöhnungsbedürftig. Es ist immer sehr heiß (zw.25 und 38 Grad) und dazu so feucht, dass man in kürzester Zeit klatschnass ist.

Die Inspektion des Appartements stellte mich zufrieden: ich hatte Schlimmeres erwartet.
Für indische Verhältnisse ist es gehobener Standard.