Naechstes Highlight meines Daseins war der Besuch einer Delegation der Messe Muenchen, eine der groessten Messeveranstalter und -initiatoren der Welt. Mit von der Partie waren unter anderen der Vorsitzende der Geschaeftsfuehrung Herr Manfred Wuzlhofer sowie einige Aufsichtsratsmitglieder, darunter Herr Dr. Volker Jung, bis 2003 Mitglied des Zentralvorstands der Siemens AG.
Gemeinsam mit dieser doch recht hochkaraetigen Delegation besichtigten wir die Messe Chennai sowie das angeschlossene Convention Center. Der infrastrukturelle Zustand der Messe war nach Ansicht der Fachleute sehr zufriedenstellend, wenn auch die zwei Hallen im internationalen Vergleich sehr klein sind. Sehr angetan zeigten sich die Besucher von der Kongresshalle, die mit 1500 bis 2000 Sitzplaetzen gross genug und insgesamt sehr ansprechend war.
Dem folgte ein schoenes Mittagessen in einem der "5 Sterne"-Hotels. Dem schloss sich unmittelbar eine Stadtfuehrung an, von der auch ich profitiert habe. Madras/Chennai ist mit 6-8 Millionen Einwohnern nicht gerade klein. Da ich beruflich stark eingespannt bin (raeusper!) habe ich noch keine Gelegenheit gefunden, die Stadtteile zu besichtigen, die weit von Buero oder Appartment entfernt liegen. Wir schauten uns den Hafen Chennai an, die Kirche St. Thomas, den groessten hinduistischen Tempel der Stadt, ein Museum sowie einige alte Regierungs- und Universitaetsgebaeude. Leider waren wir ein bisschen unter Zeitdruck, sodass wir nur beim Museum (uralte Gottesstatuen, sehr beeindruckend) und beim Tempel ("") ausstiegen.
Leider haben wir uns St. Thomas nicht ansehen koennen. Das werde ich jedoch nachholen. Hier wirkte und bekehrte der heilige Thomas, einer der Juenger Jesu. Da er nicht dabei war, als Jesus nach seiner Auferstehung das erste Mal seinen Juengern erschien, und nicht ohne eigenen Augenschein glauben wollte, dass ER wiedergekommen war, erinnert man sich an ihn bis heute als den "unglaeubigen Thomas". Er ist im Jahre 72 (n.Chr. natuerlich) in Mylapore, heute Stadtteil von Madras, von den anderen Unglaeubigen umgebracht worden. Die hiessen aber nicht Thomas. Und fanden ihn wohl doof.
Aus touristischer Sicht voellig unverstaendlich haben die hiesigen Behoerden es zugelassen, dass seine Gebeine im 3. Jh. nach Edessa in die Tuerkei exportiert wurden.
Schade. Ich haette dem alten Knaben gerne meine Reverenz erwiesen.
Eine Weile fuhren wir am Marina Beach vorbei. Dabei handelt es sich um den zweitlaengsten Strand der Welt nach der Copacabana. An Stelle der Inder wuerde ich hurtigen Schenkels ein paar Lastschiffe mit Sand aus Afrika holen, hier abkippen und den Brasilianern mal zeigen, wo die Flunder strandet!!
Witzig ist (in einem makaberen Sinne), dass der Tsunami 2004 hier alle Stranddoerfer bzw. Slums weggespuelt hat (gut, bis jetzt ist das Ganze ueberhaupt nicht witzig). Im Rahmen der Aufbauhilfen und zum Zwecke der "Entslummung" hat die Regierung allen Fischern feste Haeuser am Strand und auch 10 km weiter gebaut. Mit dem Erfolg, dass nicht ein einziger Fischer dort eingezogen ist. Vielmehr haben die Fischer alle diese Wohnungen vermietet und wohnen jetzt als feiste Hausbesitzer in einem slum noch naeher am Strand. Tja, jeder muss schauen, wo er bleibt.
Die bleiben hier.
Nach der Stadtrundfahrt zogen sich die Besucher in Ihre Suiten zurueck. Der insoweit suitelose Huebi zog sich nach alter Vaeter Sitte (hallo Papa!) an die Bar zurueck, wo er sich erstmal ein leckeres Kingfischer in der ortsueblichen 0,65 l-Amphore genehmigte.
Bei einem sehr guten Dinner unterhielt ich mich gemeinsam mit der Aufsichts- und Muenchner Stadtraetin Frau Constanze Lindner-Schaedlich laengere Zeit mit einem indischen Geschaeftsmann aus Hyderabad. Dieser klaerte uns nicht nur eloquent und detailsicher ueber indische Marktentwicklungen auf, sondern schilderte auch die Einzelheiten seines besonderen Glaubens auf. Er ist ein Jain. Diese pflegen einen unerhoerten Respekt vor dem Leben, und bemuehen sich, moeglichst wenig davon kaputtzumachen. Nicht nur, dass ein strenglaubiger Jain keine Schuhe traegt, um moeglichst wenig Tierchen zu zertreten (er wuerde sich wohl auch die Fuesse ausziehen, wenn das nicht sein Leben beschaedigen wuerde). Auch spricht er wenig, und wenn er spricht, haelt er sich ein Tuch vor den Mund, um moeglichst wenig Mikroorganismen zu schaedigen. Dies sind aber Extrembeispiele. Nach wie vor aber isst ein Jain nichts, was hierzu aus dem Boden gezogen werden musste, da auch dabei Kleinstlebewesen getoetet werden (also keine Kartoffeln, Moehren, Erdnuesse, Maulwuerfe etc.) Im Prinzip auch nichts Gepfluecktes. Wenn er also etwas Frisches essen will, muss er mit dem Netzkescher neben der Palme stehen und warten, bis Newton sein Recht bekommt. Das ist natuerlich eine ernaehrungstechnische Herausforderung.
Fuer einen Jain ist der Magen eines Nichtvegetariers ein grosser Friedhof.
Aber keine Sorge: dieser sehr angenehme Gentleman sah wohlgenaehrt aus, irgendwie kriegen die das hin.
Wer es noch nicht wusste, Monsun ist, wenn man trotzdem lacht. Eine schoene Dachterasse verliert Ihren Zauber, wenn es z.T. laenger als 24 Stunden am Stueck regnet. Und mit Regen meine ich kein Nieseln, wie wir es kennen. Ein kraeftiger Monsunregen ist so intensiv wie der zweiminuetige Zenit eines harten Landregens in Europa, aber er dauert Stunden. Daher ist hier alles ueberschwemmt.
Ich habe noch Glueck: vor meinem Haus ist das Wasser nach dem Regen knoechelhoch und bald zeigt sich ein trockener Streifen in der Mitte. Auf dem Weg ins Buero fahre ich aber mit der Rikschah zum Teil durch 50 cm hohes Wasser.
In den aermeren Gebieten im Norden und Sueden des Landes steht das Wasser brusthoch.
Da die Bewohner schon letztes Jahr vieles verloren haben und die Regierung nichts getan hat, sind sie leicht verstimmt (*vergess sich vor Wut!*).
Leider bringt der Regen auch eine stark vergroesserte Moskitopopulation. Das ist nicht ganz so lustig. Das Denguefieber, auch Knochenbrecherfieber genannt, weil die Betroffenen sich vor Schmerzen so kruemmen, dass gelegentlich wohl Rippen brechen, hat dieses Jahr nur Delhi und Umgebung heimgesucht. Hier unten aber gibt es Chikungunya, ein aehnlich starkes Fieber, dass sich stark arthritisch auf die Gelenke auswirkt. Und natuerlich die gute alte Malaria, die hier im sonst ungefaehrdeten Bereich zu Monsunzeiten Gastspiele haelt.
Aba ick halt mir wacker!
So. Morgen kommt der Huber Erwin, seines Zeichens Wirtschaftsminister von Bayern. Mal sehen, was wir dem Gutes tun koennen. Ausserdem hole ich um Mitternacht meine neue Kollegin vom Flughafen ab. Um Mitternacht nicht der Dramatik wegen, sondern weil Ihr Flieger dann landet.
Auch dieser post wird demnaechst mit ein paar Bildern aufgewertet, ihr koennt also dann noch mal reinschauen. Viel Vergnuegen!
Gemeinsam mit dieser doch recht hochkaraetigen Delegation besichtigten wir die Messe Chennai sowie das angeschlossene Convention Center. Der infrastrukturelle Zustand der Messe war nach Ansicht der Fachleute sehr zufriedenstellend, wenn auch die zwei Hallen im internationalen Vergleich sehr klein sind. Sehr angetan zeigten sich die Besucher von der Kongresshalle, die mit 1500 bis 2000 Sitzplaetzen gross genug und insgesamt sehr ansprechend war.
Dem folgte ein schoenes Mittagessen in einem der "5 Sterne"-Hotels. Dem schloss sich unmittelbar eine Stadtfuehrung an, von der auch ich profitiert habe. Madras/Chennai ist mit 6-8 Millionen Einwohnern nicht gerade klein. Da ich beruflich stark eingespannt bin (raeusper!) habe ich noch keine Gelegenheit gefunden, die Stadtteile zu besichtigen, die weit von Buero oder Appartment entfernt liegen. Wir schauten uns den Hafen Chennai an, die Kirche St. Thomas, den groessten hinduistischen Tempel der Stadt, ein Museum sowie einige alte Regierungs- und Universitaetsgebaeude. Leider waren wir ein bisschen unter Zeitdruck, sodass wir nur beim Museum (uralte Gottesstatuen, sehr beeindruckend) und beim Tempel ("") ausstiegen.
Leider haben wir uns St. Thomas nicht ansehen koennen. Das werde ich jedoch nachholen. Hier wirkte und bekehrte der heilige Thomas, einer der Juenger Jesu. Da er nicht dabei war, als Jesus nach seiner Auferstehung das erste Mal seinen Juengern erschien, und nicht ohne eigenen Augenschein glauben wollte, dass ER wiedergekommen war, erinnert man sich an ihn bis heute als den "unglaeubigen Thomas". Er ist im Jahre 72 (n.Chr. natuerlich) in Mylapore, heute Stadtteil von Madras, von den anderen Unglaeubigen umgebracht worden. Die hiessen aber nicht Thomas. Und fanden ihn wohl doof.
Aus touristischer Sicht voellig unverstaendlich haben die hiesigen Behoerden es zugelassen, dass seine Gebeine im 3. Jh. nach Edessa in die Tuerkei exportiert wurden.
Schade. Ich haette dem alten Knaben gerne meine Reverenz erwiesen.
Eine Weile fuhren wir am Marina Beach vorbei. Dabei handelt es sich um den zweitlaengsten Strand der Welt nach der Copacabana. An Stelle der Inder wuerde ich hurtigen Schenkels ein paar Lastschiffe mit Sand aus Afrika holen, hier abkippen und den Brasilianern mal zeigen, wo die Flunder strandet!!
Witzig ist (in einem makaberen Sinne), dass der Tsunami 2004 hier alle Stranddoerfer bzw. Slums weggespuelt hat (gut, bis jetzt ist das Ganze ueberhaupt nicht witzig). Im Rahmen der Aufbauhilfen und zum Zwecke der "Entslummung" hat die Regierung allen Fischern feste Haeuser am Strand und auch 10 km weiter gebaut. Mit dem Erfolg, dass nicht ein einziger Fischer dort eingezogen ist. Vielmehr haben die Fischer alle diese Wohnungen vermietet und wohnen jetzt als feiste Hausbesitzer in einem slum noch naeher am Strand. Tja, jeder muss schauen, wo er bleibt.
Die bleiben hier.
Nach der Stadtrundfahrt zogen sich die Besucher in Ihre Suiten zurueck. Der insoweit suitelose Huebi zog sich nach alter Vaeter Sitte (hallo Papa!) an die Bar zurueck, wo er sich erstmal ein leckeres Kingfischer in der ortsueblichen 0,65 l-Amphore genehmigte.
Bei einem sehr guten Dinner unterhielt ich mich gemeinsam mit der Aufsichts- und Muenchner Stadtraetin Frau Constanze Lindner-Schaedlich laengere Zeit mit einem indischen Geschaeftsmann aus Hyderabad. Dieser klaerte uns nicht nur eloquent und detailsicher ueber indische Marktentwicklungen auf, sondern schilderte auch die Einzelheiten seines besonderen Glaubens auf. Er ist ein Jain. Diese pflegen einen unerhoerten Respekt vor dem Leben, und bemuehen sich, moeglichst wenig davon kaputtzumachen. Nicht nur, dass ein strenglaubiger Jain keine Schuhe traegt, um moeglichst wenig Tierchen zu zertreten (er wuerde sich wohl auch die Fuesse ausziehen, wenn das nicht sein Leben beschaedigen wuerde). Auch spricht er wenig, und wenn er spricht, haelt er sich ein Tuch vor den Mund, um moeglichst wenig Mikroorganismen zu schaedigen. Dies sind aber Extrembeispiele. Nach wie vor aber isst ein Jain nichts, was hierzu aus dem Boden gezogen werden musste, da auch dabei Kleinstlebewesen getoetet werden (also keine Kartoffeln, Moehren, Erdnuesse, Maulwuerfe etc.) Im Prinzip auch nichts Gepfluecktes. Wenn er also etwas Frisches essen will, muss er mit dem Netzkescher neben der Palme stehen und warten, bis Newton sein Recht bekommt. Das ist natuerlich eine ernaehrungstechnische Herausforderung.
Fuer einen Jain ist der Magen eines Nichtvegetariers ein grosser Friedhof.
Aber keine Sorge: dieser sehr angenehme Gentleman sah wohlgenaehrt aus, irgendwie kriegen die das hin.
Wer es noch nicht wusste, Monsun ist, wenn man trotzdem lacht. Eine schoene Dachterasse verliert Ihren Zauber, wenn es z.T. laenger als 24 Stunden am Stueck regnet. Und mit Regen meine ich kein Nieseln, wie wir es kennen. Ein kraeftiger Monsunregen ist so intensiv wie der zweiminuetige Zenit eines harten Landregens in Europa, aber er dauert Stunden. Daher ist hier alles ueberschwemmt.
Ich habe noch Glueck: vor meinem Haus ist das Wasser nach dem Regen knoechelhoch und bald zeigt sich ein trockener Streifen in der Mitte. Auf dem Weg ins Buero fahre ich aber mit der Rikschah zum Teil durch 50 cm hohes Wasser.
In den aermeren Gebieten im Norden und Sueden des Landes steht das Wasser brusthoch.
Da die Bewohner schon letztes Jahr vieles verloren haben und die Regierung nichts getan hat, sind sie leicht verstimmt (*vergess sich vor Wut!*).
Leider bringt der Regen auch eine stark vergroesserte Moskitopopulation. Das ist nicht ganz so lustig. Das Denguefieber, auch Knochenbrecherfieber genannt, weil die Betroffenen sich vor Schmerzen so kruemmen, dass gelegentlich wohl Rippen brechen, hat dieses Jahr nur Delhi und Umgebung heimgesucht. Hier unten aber gibt es Chikungunya, ein aehnlich starkes Fieber, dass sich stark arthritisch auf die Gelenke auswirkt. Und natuerlich die gute alte Malaria, die hier im sonst ungefaehrdeten Bereich zu Monsunzeiten Gastspiele haelt.
Aba ick halt mir wacker!
So. Morgen kommt der Huber Erwin, seines Zeichens Wirtschaftsminister von Bayern. Mal sehen, was wir dem Gutes tun koennen. Ausserdem hole ich um Mitternacht meine neue Kollegin vom Flughafen ab. Um Mitternacht nicht der Dramatik wegen, sondern weil Ihr Flieger dann landet.
Auch dieser post wird demnaechst mit ein paar Bildern aufgewertet, ihr koennt also dann noch mal reinschauen. Viel Vergnuegen!
















