Fire and rice

Wednesday, November 29, 2006

Namasteh! Ich bin seit einer Woche in Bombay und seitdem konstant unter Strom. Mir geht es gut, das wird viele von Euch freuen.
Ich werde aber versuchen, dort anzuknuepfen, wo wir uns getrennt haben.

Nach dem Besuch des Strandes besuchten wir Saint Mary's, die aelteste anglikanische Kirche oestlich des Suezkanals. Wow! Oestlich! Suez! Olympisches Gold!
Eine sehr huebsche Kirche mit alten Grabsteinen von Kolonialsyphilitikern und Ihrem legalen Anhang. Ach ja, vorher haben wir noch das Rathaus gesehen. (Dieser zeitliche Bruch gilt verhoertechnisch als Wahrheitssignal. Da koennt Ihr jeden Wuppertaler Rechtsreferendar westlich des Suezkanals fragen. Ihr seht, kein Schmuh, alles echt!)

Letzter Termin unserer kleinen Rundfahrt war ein grosses Geschaeft mit Einrichtungs- und Dekorationsgegenstaenden. Einer unserer Teilnehmer hatte explizit gebeten, dorthin zu gelangen, wo er einen grossen Steinganesha kaufen koennte. Den finde seine Frau so tuffi.
Ganesha ist der elefantenkoepfige Sohn des Gottes Shiva und der Parvati. Kein schlechter Start im Leben, so moechte ich meinen. Ich bin mit meinem Vater aber auch sehr zufrieden. Irgendwelche Vergleiche meiner Person mit Ganesha sind jedoch nicht angebracht. Insbesondere Ruesselwitze sind dankend verbeten.

Nun ja, eine solche Gottesfigur in riesig und aus Stein war also erwuenscht. Prima. Auf Wunsch wird unseren Gaesten auch Puderzucker in den...Tee geblasen.

Ich hatte also schon mit einem netten Kerl und Manager eines grossen Logistikunternehmens gesprochen, und den Transport klargemacht

Wie wir schnell merkten, betrieb der Eigner eine gutgehende Betruegerei. Der einzige ausreichend grosse Ganesha sollte angeblich aus Stein sein. Bei naeherer Betrachtung fiel uns auf, dass der Grossteil des flachen Rueckenstueckes grobe Maserung aufwies. Es war klar ersichtlich Betonguss auf Holzplatte. Weiteres Guetesiegel war der mit der Maurerkelle aufgetragene gruene Lack. Unsere zarten Hinweise hielten den Verkaeufer nicht davon ab, die tadellose Steinqualitaet weiter zu beteuern. Ich haette gerne sein Gesicht hineingestossen, wie man frueher einen jungen Hund mit der Nase in seine Hinterlassenschaft stiess, aber der Boden war picobello.

Dieser Verkaeufer war wirklich ekelhaft. Geleckt ist noch kein Ausdruck. Ich fragte unseren Fremdenfuehrer, ob er einer von zwei bestimmten Volksgruppen angehoert, die hier fuer Ihre skrupellosen Geschaeftspraktiken beruechtigt sind. Er bestaetigte dies. Ich hatte darauf etwas Muehe, unsere Gaeste aus dem Laden herauszubugsieren. Es gab immer noch etwas, was man UNBEDINGT sehen muesse, das Seelenheil haenge davon ab.

Irgendwann hatten wir es geschafft und fuhren Richtung Hotel. Der etwas enttaeuschte Unternehmer verabredete sich mit mir fuer seine bald folgende naechste Geschaeftsreise nach Indien, damit wir dann nach erfolgreicher Suche nach einem Steingott in Lebensgroesse mal ordentlich in die Kanne leuchten koennten. Der Wunsch sei ihm gewaehrt. Er zahlt.

Nach zwei Abschlussbierchen in der Hotelbar stiegen die Gaeste in Ihren Bus und fuhren ab.


Ich breche hier ab, hab noch zu tun. Kurze Info: ich bin in Bombay im Moment federfuehrend mit der Organisation Essen und Trinken des ersten Bombay Weihnachtsmarktes beschaeftigt.
Ich habe am Sonntag meine Bestellung ueber ein Vierteltonne Wuerstchen bestaetigt, damt wir die 3000 bis 10.000 Leute auch satt kriegen. Den Gluehwein bei 27 Grad ruehre ich auch noch an. Dazu noch ein paar hundert Portionen von 7 bis 10 weiteren Gerichten, die ich in Auftrag gegeben habe und ein paar Paletten Bier und Schnaps. Ich versuche, morgen weiter zu kommen.
Auch fuer Mattes und Stevie! Paco auch! Seval sowieso! Ja Woehler, auch fuer Dich!

Friday, November 17, 2006

Fuer den Nachmittag hatte ich eine kleine Stadtrundfahrt organisiert, an der ein paar Unternehmer sowie der Praesident der IHK Niederbayern teilnahmen. Zunaechst fuhren wir ins Bronzemuseum, wo viele z.T 1000 Jahre alte Goetterstatuen gezeigt werden. Bei kompetenter Beratung ist sowas sowohl interessant, als auch schoen (Das Auge guckt schliesslich mit!).
Naechster Termin war der Tempel von Mylapore, den ich von aussen schon kannte. Jetzt wollte ich mehr. In den Tempel von Mylapore schritt ich fuerbass!
Ganz tolles Bauwerk, sehr interessante Geschichten dazu (kommen in die Sparbuechse, falls ich mal nichts zu erzaehlen habe). Leider ist photographieren hier ausdruecklich strengstens verboten. Besagte ausdrueckliche Strenge weicht aber goettlich-gnaediger Milde, sobald 25 Rupien in einer Zahlstube im Tempelinneren abgedrueckt werden. Money makes the world go around!
Daraufhin fuehren wir zum Marina Beach, dem bereits erwaehnten Strand. Hier stiegen wir aus und gingen ein paar Meter spazieren. Dabei fand der IHK-Praesident im Sand eine angespuelte halbgebrochene Staue der Goettin Lakshmi. Diese war im Tsunami wohl weggerissen worden.
Da er sie nicht mit nach Deutschland nehmen wollte, schenkte er sie mir, wofuer ich nach wie vor sehr dankbar bin, wird sie mir doch nicht nur die Erinnerung an Madras wachhalten, sondern Ihrer goettlichen Rolle entsprechend Wohlstand und Erfolg bringen.

So, mal wieder musste ich den ganzen Tag arbeiten (das tun aber auch andere hier). Jetzt werde ich mich zu KFC verholen, ein Huhn in meinem Bauch beerdigen und danach im Bike&Barrel mit ein paar Kaltgetraenken nachspuelen. Dabei wuensche ich mir viel Spass!

Gehabt Euch wohl, ich versuche, zuegig mehr zu schreiben. Wenn das hier ueberhaupt jemand liest?! Hallo?........ HAAAAALLLLLOOOOOOO!?............

Thursday, November 16, 2006

Die Rueckfahrt gestaltete sich ob des chaotischen Verkehrs als schwierig. (Der Monsun unterspuelt viele Strassen und hoehlt jeden Riss zu einem grossen Schlagloch aus. Das wird dann mit versehentlich hineinfallenden Autos gefuellt, diese mit Teer bestrichen und fertig ist die A7.)
Wir brauchten etwa zweieinhalb Stunden fuer eine 30 Minuten-Strecke.
Damit hatten wir an dem Tag ueber sieben Stunden im Bus verbracht.
Wir hatten jedoch so guenstig geplant, dass wir rechtzeitig zum naechsten Tagesordnungspunkt im Hotel waren: die 2-3 Bier an der Bar waren auch noetig, wir wollten ungern darauf verzichten.

Am Abend hatte der Generalkonsul zu einem Empfang geladen. Der stets empfangsbereite Huebi fehlte nicht. Er trank viel und ass nicht wenig.
Auch lernte ich viele interessante Leute kennen.
Grosse Freude bereiteten mir die offen gegrillten Langusten. Der Hummer haengt mir zum Hals raus!
Ich wiederum bereitete dem Oberkellner Freude. Dreimal bat ich ihn um Weisswein, nein, der ist doch warm, pfui Spinne, wer soll das denn trinken, neinnein, sein sie so gut und besorgen sie eine kalte Flasche, vielen Dank, ich bin gleich wieder da. Bei einem Ueberbrueckungs-
Gin Tonic unterhielt ich mich dann so nett mit Thomas, einem Logistikmann, dass ich ein wenig die Zeit aus dem Auge verlor. Beim naechsten Besuch bei Oberst Kellner war die Flasche Weisswein schon wieder warm. Aber man kann ja eine neue holen.
Ich glaub, vergessliche Sprittis sind fuer Kellner echt die Pest.

Waehrend der Party gelang es mir noch, flugs eine gefuehrte Stadtrundfahrt fuer 6 Unternehmer an naechsten Tag zu organisieren. Das ist prinzipiell nicht leicht, weil es wenige Stadtkundige gibt, die gut Deutsch sprechen. Einen kannte, ihn rief ich an. Er sagte ja, ich sagte Mensch. Is ja doll.
Zum Abschluss liess ich mich noch mit Thomas beim Minister Huber vorstellen, der aeusserst interessiert reagierte. Vermutlich machten wir einen juengeren, etwas weniger langweiligen Eindruck als manch anderer. Auch tranken wir zu dem Zeitpunkt lecker Bier.
Er sagte zum Anfang, er freue sich, endlich mal einen der Organisatoren kennenzulernen: in den anderen Grossstaedten haetten sich die "Chambristen" komplett rangeschmissen, uns habe er kaum wahrgenommen. Lob? Tadel? Wahrscheinlich beides.

Leider musste ich diese launige Voellerei vorzeitig abbrechen, um meine neue Kollegin vom Flughafen abzuholen. Die Kammer hatte mir hierzu freundlicherweise einen Wagen samt Fahrer zur Verfuegung gestellt. Dort angekommen merkte ich schnell, dass ich noch in aller Ruhe einen Drink zu mir haette nehmen koennen. Zwar war Ihr Flug nicht verspaetet, ich hatte aber vergessen, dass es mit den Pass- und Visakontrollen recht lange dauert, bis man wirklich draussen steht.
Schliesslich kam sie dann doch raus, einigermassen fit, und wir fuhren nach Indira Nagar. Dort wohnen wir.
Am naechsten Tag hatte ich den Wecker so gestellt, dass wir puenktlich um 1o a.m. im Hotel sein wuerden. Zwar sprach die Einladung von 9 a.m., jedoch hatte die Reiseleiterin der Delegation ihren Schaefchen mehrfach eingebleut, es beginne erst um 10.
Im Endeffekt hielt der Minister eine kurze Ansprache schon vor 10, diese richtete sich aber ausschliesslich an indische Unternehmer. Beim anschliessenden Stehbuffet-gestuetzten Networking (oft nur Kartentausch ueber zu vollen Tellern) unterhielt ich mich gut mit meinen Freunden und Bekannten und nutzte die Gelegenheit, der neuen Kollegin ein paar Fragen zu beantworten.
Generell war ich leicht enttaeuscht ueber das Event. Ein paar Tage vorher hoerte ich, dass die zustaendigen Mitarbeiter die Einladung an die ggf. an Gespraechen und eventuellen Vertragsvorverhandlungen interessierten indischen Unternehmer 4-5 Tage vorher abgeschickt hatten!! Und ich spreche hier ueber die CEOs/Eigentuemer von mittleren und grossen Unternehmen! Ich dachte, ich hoere nicht richtig. Laut einer Mitarbeiterin lohne es sich nicht, die Sachen, wie von mir angesprochen, zwei Monate vorher zu verschicken. Die Eingeladenen bzw. deren Mitarbeiter wuerden das sowieso wieder vergessen. O regio, o mores!
Ob das tatsaechlich stimmt, weiss ich natuerlich nicht; jedenfalls merkte ich, dass der Kontakt zwischen den Parteien bis auf erfreuliche Ausnahmen nicht wie gewuenscht stattfand, bzw. die Parteien nicht ausreichend Ihrer Branche nach hatten sortiert werden koennen.
So etwas ist unangenehm, man kann jedoch nur bedingt daran arbeiten. So konnten wir die Gespraeche etwas auflockern, ein paar Gespraechspartner zusammenbringen etc. Man macht sich halt nuetzlich.

Etwas Geduld, der naechste Post kommt Morgen. Vielleicht auch Fotos.

Wednesday, November 15, 2006

Am Dienstag morgen mussten wir zeitig aus den Federn (herrliche Formulierung, leicht angestaubt mit schoener Patina, man nimmt sie aus dem Regal und versucht sich daran zu erinnern, wann man sie zuletzt verwendet hat).
Im Taj Coromandel***** schlief der bayerische Wirtschaftsminister Huber. Sein Hofstaat ebenfalls. Eine Handvoll Gesinde sowie ca 30 Wirtschaftsdelegierte waren im selben Gasthof abgestiegen. Da Ihr Flug Verspaetung hatte und sie nach Ankunft um 2.00 nachts wohl erstmal den Staub von den Lebern waschen mussten, sah es am naechsten Tag ein wenig so aus, als waeren versehentlich nur Bestattungsunternehmer mitgekommen.

Insgesamt machte die Truppe aber einen sehr sympathischen Eindruck. Nachdem der Minister vom Generalkonsul begruesst worden war, setzten diese sich in einen Mercedes mit Deutschlandfaehnchen (Halloo!! WM ist durch!) und brausten davon. Die 40 Mann Gefolge passten leider auch nach indischen Massstaeben nicht mit in die E-Klasse und musste die gecharterten Busse besteigen. Auch ich.

Gemeinsam besuchten wir einige Industriewerke wie zum Beispiel Sundaram, einen grossen Automobilzulieferer. Da ich bisher auch viele Unternehmen der Mittelklasse kennengelernt hatte, war ich erstaunt ob der geleckt sauberen Werkshallen mit modernsten Maschinen. Vielleicht werden die wirklich sauber geleckt. Arbeitskraefte sind ja da und schoen sieht's auch aus.

Im Laufe des Tages besuchten wir auch das Winergy-Werk von Siemens Flender, die hier modernste Windkraftanlagen bauen. Sehr imposant: die fuer Pruefverfahren eingesetzten Maschinen kosten Millionen und sehen so aus wie ein Haeuschen aus Stahl, aus dem so ein langer duenner Affenp...schande, dass ich jetzt keinen Vergleich parat habe. Jedenfalls kommt da so'n Pinorrek raus und misst die gefertigten Teile in ungehoerter Praezision. Dufte!

Im anschliessenden Vortrag waren fuer mich nicht so sehr die technischen und oekonomischen Details der Firma interessant, sondern vielmehr der erste Redner.
Er hat Winergy gerade an Siemens verkauft.
Witzigerweise sah dieser Redner Henry Kissinger sehr aehnlich. (Fuer die juengeren Leser: Henry Kissinger spielt nicht bei Chelsea, sondern war u.a. Aussenminister der USA)
Dieser Mann wirkte auf mich wie ein Symbol der Nachkriegszeit: mit einem grossen Haupt, stark untersetzt, verschwitzt mit lockigen Resthaaren und einer riesengrossen Hornbrille. Aber brilliant, der Mann! Glasklar und hammerhart. Dennoch sehr sympathisch.

Sein Fazit fuer die Unternehmer kann wie folgt wiedergegeben werden:
1. Wer auf schoenen Autobahnen fahren will, soll nach China gehen; wer Geld verdienen will, soll nach Indien gehen.
2. Wenn Ihr nach Indien wollt, geht jetzt dorthin. In wenigen Jahren kommen die Inder zu uns.
Und dann ist Schluss mit lustig!

So, Schluss ist nicht nur mit lustig, sondern auch mit diesem post. Heute mach ich frueher Schluss, und werde mich gleich lustig in der Sonne aalen. Morgen wird der Post fortgefuehrt. Und zwar volle Pulle! Ciao!

Tuesday, November 14, 2006

Geschafft! Was lange gaert wird endlich Wut!
Liebe Lesegemeinde, ich bitte die lange Durststrecke zu entschuldigen. Wir haben vor einer Viertelstunde eine Praesentation fertiggestellt, die uns ueber eine Woche gekostet hat. Das lag nicht an Computerproblemen, sondern an aeusserst schwieriger Recherche, noch auf Nachfrage schwammiger Auftragspraezisierung und dem nahezu unbearbeitetem Feld.
Im Groben sei verraten, dass es hierbei um den verbesserten Export indischer Gueter nach Deutschland geht bzw. beim Kongress in drei Tagen in Hyderabad gehen wird.
Mehr beim naechsten ausfuehrlichen post.
Morgen hab ich wahrscheinlich Zeit, um wieder einen etwas laengeren Bericht abzufassen.
Uebrigens, naechsten Montag gehe ich fuer 4 Wochen nach Bombay! Cookie, wa?