Thursday, November 16, 2006

Die Rueckfahrt gestaltete sich ob des chaotischen Verkehrs als schwierig. (Der Monsun unterspuelt viele Strassen und hoehlt jeden Riss zu einem grossen Schlagloch aus. Das wird dann mit versehentlich hineinfallenden Autos gefuellt, diese mit Teer bestrichen und fertig ist die A7.)
Wir brauchten etwa zweieinhalb Stunden fuer eine 30 Minuten-Strecke.
Damit hatten wir an dem Tag ueber sieben Stunden im Bus verbracht.
Wir hatten jedoch so guenstig geplant, dass wir rechtzeitig zum naechsten Tagesordnungspunkt im Hotel waren: die 2-3 Bier an der Bar waren auch noetig, wir wollten ungern darauf verzichten.

Am Abend hatte der Generalkonsul zu einem Empfang geladen. Der stets empfangsbereite Huebi fehlte nicht. Er trank viel und ass nicht wenig.
Auch lernte ich viele interessante Leute kennen.
Grosse Freude bereiteten mir die offen gegrillten Langusten. Der Hummer haengt mir zum Hals raus!
Ich wiederum bereitete dem Oberkellner Freude. Dreimal bat ich ihn um Weisswein, nein, der ist doch warm, pfui Spinne, wer soll das denn trinken, neinnein, sein sie so gut und besorgen sie eine kalte Flasche, vielen Dank, ich bin gleich wieder da. Bei einem Ueberbrueckungs-
Gin Tonic unterhielt ich mich dann so nett mit Thomas, einem Logistikmann, dass ich ein wenig die Zeit aus dem Auge verlor. Beim naechsten Besuch bei Oberst Kellner war die Flasche Weisswein schon wieder warm. Aber man kann ja eine neue holen.
Ich glaub, vergessliche Sprittis sind fuer Kellner echt die Pest.

Waehrend der Party gelang es mir noch, flugs eine gefuehrte Stadtrundfahrt fuer 6 Unternehmer an naechsten Tag zu organisieren. Das ist prinzipiell nicht leicht, weil es wenige Stadtkundige gibt, die gut Deutsch sprechen. Einen kannte, ihn rief ich an. Er sagte ja, ich sagte Mensch. Is ja doll.
Zum Abschluss liess ich mich noch mit Thomas beim Minister Huber vorstellen, der aeusserst interessiert reagierte. Vermutlich machten wir einen juengeren, etwas weniger langweiligen Eindruck als manch anderer. Auch tranken wir zu dem Zeitpunkt lecker Bier.
Er sagte zum Anfang, er freue sich, endlich mal einen der Organisatoren kennenzulernen: in den anderen Grossstaedten haetten sich die "Chambristen" komplett rangeschmissen, uns habe er kaum wahrgenommen. Lob? Tadel? Wahrscheinlich beides.

Leider musste ich diese launige Voellerei vorzeitig abbrechen, um meine neue Kollegin vom Flughafen abzuholen. Die Kammer hatte mir hierzu freundlicherweise einen Wagen samt Fahrer zur Verfuegung gestellt. Dort angekommen merkte ich schnell, dass ich noch in aller Ruhe einen Drink zu mir haette nehmen koennen. Zwar war Ihr Flug nicht verspaetet, ich hatte aber vergessen, dass es mit den Pass- und Visakontrollen recht lange dauert, bis man wirklich draussen steht.
Schliesslich kam sie dann doch raus, einigermassen fit, und wir fuhren nach Indira Nagar. Dort wohnen wir.
Am naechsten Tag hatte ich den Wecker so gestellt, dass wir puenktlich um 1o a.m. im Hotel sein wuerden. Zwar sprach die Einladung von 9 a.m., jedoch hatte die Reiseleiterin der Delegation ihren Schaefchen mehrfach eingebleut, es beginne erst um 10.
Im Endeffekt hielt der Minister eine kurze Ansprache schon vor 10, diese richtete sich aber ausschliesslich an indische Unternehmer. Beim anschliessenden Stehbuffet-gestuetzten Networking (oft nur Kartentausch ueber zu vollen Tellern) unterhielt ich mich gut mit meinen Freunden und Bekannten und nutzte die Gelegenheit, der neuen Kollegin ein paar Fragen zu beantworten.
Generell war ich leicht enttaeuscht ueber das Event. Ein paar Tage vorher hoerte ich, dass die zustaendigen Mitarbeiter die Einladung an die ggf. an Gespraechen und eventuellen Vertragsvorverhandlungen interessierten indischen Unternehmer 4-5 Tage vorher abgeschickt hatten!! Und ich spreche hier ueber die CEOs/Eigentuemer von mittleren und grossen Unternehmen! Ich dachte, ich hoere nicht richtig. Laut einer Mitarbeiterin lohne es sich nicht, die Sachen, wie von mir angesprochen, zwei Monate vorher zu verschicken. Die Eingeladenen bzw. deren Mitarbeiter wuerden das sowieso wieder vergessen. O regio, o mores!
Ob das tatsaechlich stimmt, weiss ich natuerlich nicht; jedenfalls merkte ich, dass der Kontakt zwischen den Parteien bis auf erfreuliche Ausnahmen nicht wie gewuenscht stattfand, bzw. die Parteien nicht ausreichend Ihrer Branche nach hatten sortiert werden koennen.
So etwas ist unangenehm, man kann jedoch nur bedingt daran arbeiten. So konnten wir die Gespraeche etwas auflockern, ein paar Gespraechspartner zusammenbringen etc. Man macht sich halt nuetzlich.

Etwas Geduld, der naechste Post kommt Morgen. Vielleicht auch Fotos.

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