Nachdem ich mich für 2 Stunden hingelegt hatt, traf ich dann auf meinen Vorgänger und Indien-Lehrmeister Johannes. Sehr straighter und sympathischer Mensch, mit dem ich in kürzester Zeit die krassesten Sachen erlebe.Was für ein zorniger, zorniger junger Mann!
Er ist etwas ungeduldig und kriegt hier mindestens dreimal täglich die Vollkrise. Dazu muß man wissen, daß unsere Gastgeber hier nicht alles hinkriegen, bzw. nicht immer sofort. (Untertreibung des Jahres).
Ansgar ist als Bauingenieur hier. Er ist ein netter, sehr chilliger und wesensruhiger Mensch. Er wirkt dem Nirvana sehr nahe, weist aber den Vorwurf von sich, er habe das durch Kräuterdämpfe erzielt.
Der 3. Oktober ist hier selbstverständlich auch Feiertag, wenn auch nur für die Handelskammer. Tagsüber war ich einige Sachen einkaufen, am Abend waren wir auf dem Empfang des Generalkonsuls im Taj Coromandel Hotel eingeladen.
Dort gab es für etwa 250 Gäste ein indisches und deutsches Buffet. Da ich mich frisch importiert fühlte, habe ich nur beim indischen Buffet zugeschlagen (und bei den Getränken selbstverständlich!). Möglicherweise werde ich das noch bereuen, weil es nahezu kein europäisches Essen in dieser Stadt gibt. Mit Glück findet man etwas, das etwa so schmecken soll.Das indische Essen schmeckt mir jedoch sehr gut. Es ist teilweise etwas gewöhnungsbedürftig aber lecker. Hier sind ca. 70-80% der Menschen Vegetarier, was die Sache nicht leichter macht.
Am Mittwoch waren wir also das erste Mal im office. Sehr nette Leute dort! Johannes hat eine Übersetzung angefertigt und ich habe einem säumigen indischen Lederfabrikanten übers Telefon mit der heiligen Verwesung gedroht. Leider muß man hier Anfragen, Bitten etc. sehr nachdrücklich, d.h. eigentlich im Befehlston formulieren, damit endlich was passiert.
Ich muß aber zur Ehrenrettung sagen, daß die Inder, d.h. hier die Tamilen ein äußerst freundliches und liebenswürdiges Völkchen sind (knappe 65 Millionen).
Sie lächeln relativ viel und sind außergewöhnlich friedlich. Man hört hier selten ein lautes Wort oder einen Streit.
Leider sind wir gerade im Kommunalwahlkampf. Dabei soll es zuweilen dann doch dazu kommen, daß Parteigaenger die Gegenseite mit Knüppelschlägen und Backsteinwürfen an den Kopf von Ihrer politischen Meinung zu überzeugen suchen. Da bleibt auch schon mal einer liegen.
Am Donnerstag war die Arbeit etwas schwieriger zu bewältigen: leider fiel den ganzen Tag das Netz aus. Johannes und ich haben einen claim case, also eine Bitte um Schlichtung einer rechtlichen Streitigkeit zunächst auf deutsch rechtlich analysiert und dann Lösungsvorschläge für das meeting unseres Chefs mit den Beteiligten formuliert. Danach wollten wir das Ganze ins Englische übersetzen, hatten aber kein Internet-Wörterbuch (incl. Jura), sodaß wir unter Zuhilfenahme normaler Wörterbücher das Juristenzeug mühsam ins Englische schrauben mußten.
Zu Hause angekommen, flog die Sch... in den Ventilator. Beim Betreten meiner Wohnung fiel mir sofort ein beißender Geruch auf, den ich zunächst für Gas hielt. Diese Information schrie ich sofort zu Johannes hoch, der seinen Hängearsch dann irgendwann runterschleppte. Außer dem Geruch war die Luft ein bißchen qualmig. Es waren aber keine Flammen zu sehen. Johannes vermutete, daß dies daran liege, daß die Inder Gas verwenden, das aus alten Gummistiefeln hergestellt werde. Zuerst verließen wir fluchtartig das Haus, um kurz später wieder zurückzukehren, um ein paar Habseligkeiten mitzunehmen (Bier, Kippen, Reisepaß u.ä.).
Dann rief ich den Hauseigentümer (meinen Chef) an, und schilderte das Problem.
Nach erneutem Betreten der Wohnung checkte ich den Gasherd, den ich bis dato noch kein einziges Mal angefaßt hatte. Er war ausgeschaltet und kein Zischen war zu hören. Außerdem war der Qualm im Wohnzimmer viel stärker als in der Küche. Das machte mich mißtrauisch. Auf erneuten Check der Wohnung sah ich dann den riesigen Schrank, der über der Eingangstür eingelassen ist. Er ist ca 3m lang, 1m hoch und 1m tief. Durch die dünnen Schlitze konnte ich lodernde Flammen sehen.
Kinda, wat ham wa jelacht!
Ich rief erneut meinen Chef an und sagte ihm, daß seine Bude brenne. Er antwortete, daß er seinen Fahrer schicken werde!!!
Nicht nur, daß der Fahrer in dem wirklich für einen Europäer nicht vorstellbaren Verkehr eine halbe Stunde braucht, auch fragte ich mich, was der Fahrer hier überhaupt soll. Den Vorschlag meines Chefs, ich solle doch Wasser draufkippen, lehnte ich dankend ab. Jeder, der in den Neunzigern "Backdraft" gesehen hat, macht einen solchen Riesenschrank nicht auf. Wenn ich dadurch dem Feuer `ne Extraportion Sauerstoff spendiere, leckt das Feuer meterlang über zwei Decken: die Zimmerdecke und meine Schädeldecke. Außerdem sind der Vorhang und das Bücherregal sofort mit von der Partie.
Also empfahl ich dem Chef wärmstens, die Feuerwehr zu holen. Mittlerweile waren ca 15 min verstrichen. Daß das Feuer und die Rauchentwicklung immer stärker wurden, bedarf keiner Erwähnung. 15-20 min später rief mich die Feuerwehr an und fragte mich, ob ich was bräuchte. Auf meine Antwort, wir bräuchte hier sofort "firemen" sagte Brandmeister Lichterloh, sowas hätten sie nicht. Ob sie ein "fire vehicle" schicken sollten. Das nahm ich dankend an.
Geschlagene 15 min später hatten die Feuerwehrleute sich dann herbequemt und setzten sofort zur Aktion an: indem sie sich etwa 10 min mit den herumstehenden Nachbarn unterhielten. Dann fragten sie uns, wo denn das Feuer sei. Irgendwann schlurfte so ein Knilch die Treppe hoch. 2 min später kam er wieder herunter und fragte Johannes, ob er mal mit hochkommen könne. Er konnte. Dann kamen sie wieder herunter und beratschlagten 5 min, was zu tun sei. Oder was es zum Abendessen geben solle, keine Ahnung!
Dann fragten sie die Nachbarn, ob die einen Hocker für sie hätten, damit sie an den Schrank rankämen!!! Ich nehme an, sie hatten ihre Leiter vergessen, oder Leitern sind hier heilig oder so was. Spätestens zu diesem Zeitpunkt knallte mir die Sicherung durch.
Die folgende Frage eines Feuerwehrmannes an uns, ob wir vielleicht eine Taschenlampe für ihn hätten, nahm ich nur noch mit einem derangierten Lächeln zur Kenntnis.
Bevor der Hocker kam, dies dauerte etwa 1 min, hielten es die Dillett... Fachleute für angezeigt, den von uns extra weggewuchteten Rauchglastisch aus Deutschland (Wert etwa 3,5 Monatslöhne eines unserer Fahrer) zu besteigen. Leider überschritten sie dabei die zulässige Nutzlast dieses Möbels. In den Papieren stand: Zahl der aufzuladenden Feuerwehrmänner:0.
Zwei waren also zuviel. Das Ergebnis war deutlich zu hören.
Als das Feuer dann gelöscht war, (wie, weiß ich nicht, sie hatten kein Gerät dabei, vermutlich ist es vor Langeweile eingeschlafen) sahen wir uns den Schaden an (Schrank ausgebrannt, alles darin verkokelt, Decke schwarz), liefen die Feuerwehrspinner wie Falschgeld durchs Haus. Sie gingen einfach nicht weg!
Irgendwann bemerkte ich das auffordernde Lächeln und leicht geöffnete Hände. Auf die Frage an unsere Dienstboten, ob die doch jetzt nicht tatsächlich Bakshish haben wollten, meinten die, doch, es sei zwar ein Skandal, aber ob man etwas von der Polizei oder der Feuerwehr wolle, man müsse leider immer schmieren. Wir sollten aber nichts geben, sie würden das aushandeln. Schließlich gaben sie ihnen 1200 Rupien, wofür sie etwa eine Woche arbeiten müssen (kriegen sie vom Chef zurück).
Es ist nicht zu glauben!

Übrigens ist man hier nie einsam. Man bekommt fast ständig Besuch.
Von den Mosquitos abgesehen, hatte ich schon eine Ratte hier. Die war aber auf der Durchreise von Bangalore nach Cochin und hat hier nur einen stopover eingelegt.
Fast immer da ist aber die FvD. Die Feldmaus vom Dienst. Ich hab noch keinen Namen für sie.
Vorschläge werden bis übermorgen angenommen.
Niedlich, gell?!À propos Mosquitos (eigentlich Moskitos, aber so klingt es besser):
die Pest ist erträglich dagegen. Im Moment habe ich noch keine gute Aufhängung für das Mosquitonetz, deshalb liege ich mit meiner Samthaut gegen das Netz, wenn ich schlafe. Das dient den Biestern als bequemer Sitz. Anfangs habe ich mich nicht mit repellent eingeschmiert. Jetzt habe ich 17 Stiche an der linken Hand und sage und schreibe 26-29 Stiche am linken Elenbogen (schwer zu zählen). Es sieht aus, als sei mein Ellenbogen in die Pubertät gekommen.
Fotos davon erspare ich dem geneigten Leser.
Zum Trost zwei Fotos von Shops neben unserem modernen Bürogebäude, sowie ein übliches vegetarisches Mittagessen: Gemüse, verschiedene Saucen und Reis. All you can eat für 25 Rupies, also 40 Eurocent.



Man isst hier übrigens eigentlich immer mit der Hand....und ja, Knappe, ich weiß, wonach das auf dem Reis aussieht! Gruß nach Hamburg!
Gehe jetzt Samstags auf dem Gelände der amerikanischen Schule Fußballspielen. Das letzte Mal haben wir, das alte Europa (Deutsche und Franzosen) gegen die neue Welt (Koreaner, US-Amerikaner) gespielt und 5:1 gewonnen! Pull my finger, Mr. Rumsfeld!!!
Übrigens: alle Tore, die außer dem einen unhaltbaren, unglücklichen und durch einen üblen Abwehrfehler ausgelösten Tor gegen uns NICHT gefallen sind, habe ICH gehalten! Alle! Gehalten! Ich! Schon´n Mordskerl brummelbrummel...

2 Comments:
Ich bin nicht zornig! Nur dermassen genervt von Scheisse hier...Inder gehen gar nicht!!
...von der Scheisse natuerlich und von dem Dreck, Luftverschmutzung, etc...
Post a Comment
<< Home